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Pressestimmen über das ICBF
Westfälische
Nachrichten, 25. September 2003
Lehrer in Deutschland holen auf
Viel Aufmerksamkeit für Begabtenförderung
Von Julia Gottschick
Münster. Ob schwache, ob begabte Schüler – spätestens
seit Pisa steht fest: Förderung muss allen gelten, aber individuell
auf das jeweilige Kind abgestimmt sein. Mit Möglichkeiten,
vor allem talentierten Schülern in der Praxis gerecht zu werden,
befassen sich seit gestern 550 Teilnehmer des Kongresses „Curriculum
und Didaktik der Begabtenförderung“ in Münster.
Organisiert wird die Tagung, europaweit eine der größten
ihrer Art, vom Internationalen Centrum für Begabtenforschung
(ICBF) der Universitäten Münster und Nijmegen in Zusammenarbeit
mit Bertelsmann- und Karg-Stiftung. Wie eine Studie, die vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung in Auftrag gegeben wurde und nun
den Experten vorgestellt werden soll, belegt, ist die Förderung
hoch begabter Kinder an deutschen Schulen ins Bewusstsein gerückt.
„Immer mehr Lehrer“, so der Autor der Studie, Prof. Dr. Franz Mönks
vom ICBF, „bilden sich weiter, um Begabungen rechtzeitig erkennen
und fördern zu können.“ Im Vergleich mit 20 anderen untersuchten
europäischen Ländern falle Deutschland positiv ins Auge.
So gibt es neben der Möglichkeit, eine Klasse zu überspringen,
an vielen Schulen Zusatzangebote, die begabte Schüler fordern
sollen – sei es am Nachmittag oder als Alternative zum Regelunterricht.
Als Schritt in die richtige Richtung sieht Prof. Dr. Heribert Meffert,
Präsidiumsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung, in diesem
Kontext das Konzept der offenen Ganztagsgrundschule. Hier würden
Talente noch individueller und flexibler gefördert als bisher.
Wenn Aufgaben allein nicht reichen
Begabte suchen die Herausforderung
Von Julia Gottschick
Münster. Zeugnisse braucht Sabeth nicht zu fürchten.
Nur Einser und Zweier zieren für gewöhnlich das Papier.
„Bis auf Sport, da habe ich eine Drei“, ist die Zwölfjährige
ehrlich. Beim Lesewettbewerb an ihrer Schule hat sie den dritten
Platz belegt. Und die Mathe-Olympiade durchlief sie bis zur Landesebene.
Trotzdem ist Sabeth bescheiden.
„Ich und begabt?“, fragt die Siebtklässlerin erstaunt. Und
erntet dafür einen liebevollen Blick von Uschi Westphal, der
Koordinatorin für Begabtenförderung an der münsterschen
Marienschule. „Sabeth ist sehr aufnahmefähig, hat irrsinnig
viele Ideen und möchte gern wissen, was in ihrem Kopf vorgeht,
wenn sie lernt“, kontert die Fachfrau.
Begabte Schüler wie die Gymnasiastin gibt es in ihrer Klasse
mehrere. Das ist nicht weiter erstaunlich. Sind doch schon an Grundschulen
im Durchschnitt zehn Prozent der Schüler hochbegabt, wie Prof.
Dr. Franz Mönks vom Internationalen Centrum für Begabungsforschung
(ICBF) gestern bei der Eröffnung des Kongresses „Curriculum
und Didaktik der Begabtenförderung“ in Münster sagte.
Hochbegabte, so betonte auch Dr. Peter Lex von der Karg-Stiftung
für Hochbegabtenförderung, bildeten „eine Randgruppe“,
die genauso gefördert werden müsse wie Minderbegabte.
Damit sie sich im Unterricht nicht langweilten, gelte es, sie individuell
zu fordern. Wie das in der Praxis aussehen kann, diskutieren noch
bis Samstag rund 550 Fachleute im Rahmen der europäischen Fachtagung.
Uschi Westphal hat ihre eigenen Erfahrungen gesammelt. „Begabte“,
sagt sie, „gucken gern über den Tellerrand.“ Ihnen Aufgaben
zu stellen reiche nicht. Es müssten echte Probleme sein. „Kniffliges,
das sie mit Unsicherheit erfüllt und zunächst unlösbar
scheint.“ Um mehr darüber zu erfahren, hat die Mathematik-
und Sportlehrerin eine Fortbildung gemacht. Eineinhalb Jahre lang
an der Uni Münster, und zwar auf eigenen Kosten und Initiative.
Hier hat sie gelernt, wie man Talente in unterschiedlichen Bereichen
erkennt. Wie man die Förderung in den Unterrichtsalltag mit
einbezieht, ohne die übrigen Schüler zu benachteiligen.
„Begabte müssen spüren, sie werden akzeptiert, wie sie
sind“, beschreibt sie ein Atmosphäre, in der sich Lehrer und
Schützlinge wohl fühlen. Darüber hinaus vermittelt
die Marienschule den Besuch der Schüler-Uni und bietet neben
Wettbewerben Erweiterungsangebote an.
Wie das Projekt „Mathematik und Gotik“, das Sabeth in der sechsten
Klasse besucht hat. „Da haben wir gerechnet und gezeichnet. Die
Mischung hat großen Spaß gemacht“, lobt die Zwölfjährige.
Ob sie nicht eine Klasse überspringen wolle, ist sie schon
ein paar mal gefragt worden. „Aber meine Eltern waren dagegen“,
erzählt das Mädchen. Schließlich gibt es so etwas
wie eine Klassengemeinschaft. Und die ist genauso wichtig fürs
Wohlbefinden wie spannender Unterricht.
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