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Pressestimmen über das ICBF
Westfälische
Nachrichten, 10. März 2004
"Toll - es gibt keine Noten"
Wissenschaftler befragten Kinder, Eltern und Professoren: Lernen
mit hohem Spaßfaktor
Von Karin Völker
Münster.
Wenn eine Erkältung im Anzug ist, sehen etliche hundert Kinder
nun ein konkretes Bild vor Augen: „ Dann marschiert die Körperpolizei
auf die Erreger los“, hat Johannes (8) in der Kindervorlesung des
Mediziners Prof. Erwin-Josef Speckmann gelernt. Der Physiologe hatte
in seiner Vorlesung im Rahmen von der Universität und Westfälischen
Nachrichten organisierten Kinder-Uni im Oktober vergangenen Jahre
die Arbeit des Immunsystems sehr anschaulich mit einer Armada von
kleinen grünen Polizisten dargestellt.
Solche anschaulichen und treffenden Vergleiche kamen bei den Jung-Studenten
besonders gut an, fasst Dr. Dagmar Bergs-Winkels zusammen. Die Erziehungswissenschaftlerin
der Universität hat in Zusammenarbeit mit dem Centrum für
Begabungsforschung im Rahmen eines Seminars eine wissenschaftliche
Studie über das erste Semester der Kinder-Uni Münster
erarbeitet. Die Zusammenfassung präsentierten Bergs-Winkels,
Dr. Christian Fischer und Carolin Gieseke im Verlagshaus der Westfälischen
Nachrichten vor den Professoren, die das Abenteuer auf sich genommen
haben, vor etwa 800 Kindern eine Vorlesung zu halten. Und dafür
belohnt wurden: Es war eine tolle Erfahrung, gab der Wirtschaftswissenschaftler
Prof. Lothar Grob im Interview mit den Pädagogen zu Protokoll:
„Das Schönste war die Riesen-Neugier, die Erwartung, mit der
mich die Kinder angestrahlt haben.“
Mit dabei waren auch diejenigen, die im kommenden Sommersemester
diese Herausforderung annehmen, denn die Erfahrungen der „Pioniere“
sind wertvoll für die Kinder-Uni-Professoren des nächsten
Semester. „Jetzt sehe ich schon klarer“, bilanzierte die Musikwissenschaftlerin
Prof. Ursula Ditzig-Engelhardt am Schluss. Sie wird am 21. Mai vor
dem Kinder-Auditorium berichten, „was die Musik erzählt“.
Die Erziehungswissenschaftler befragten jeweils nach den Vorlesungen
insgesamt 463 Kinder und deren Eltern in der Mensa am Aasee im Rahmen
einer „Kakaostunde“. Die Getränke dafür stellte das Studentenwerk
kostenlos zur Verfügung. Fast alle Kinder betonten jedes Mal,
dass die Vorlesung habe ihnen „sehr viel“ oder „viel“ Spaß
gemacht, das Thema sei „sehr interessant“ oder „interessant“ gewesen,
und sie hätten „alles“ oder „fast alles“ verstanden.
Bemerkenswert war für viele Kinder nicht nur der Stoff, sondern
auch die Uni-Atmosphäre. „Die Sitze zum Schreiben“ fanden viele
Kinder toll, andere lobten „dass man alles machen darf außer
klatschen“. Ein weiterer Grund, die Kinder-Uni gut zu finden: „Es
gibt keine Noten und kein Sitzenbleiben“.
Die Professoren selbst gaben dabei ein gutes Bild ab: „Freundlich“,
„schlau, aber nicht allwissend“, „locker“ und „lustig“ waren häufig
genannte Charakterisierungen, gewürdigt „gute Witze“, aber
auch „gutes Aussehen“ der „Profs“, von denen die meisten Kinder
noch nicht genug haben. Der Großteil der befragten Mädchen
und Jungen hat vor, später einmal selbst zu studieren, bevorzugt
Naturwissenschaften.
Das deckt sich mit dem Wunsch der Eltern, die die Absicht, Interesse
am Studium zu wecken, sehr häufig als Grund nannten, warum
sie mit ihren Kindern in die Vorlesung kamen. Auch die „Vorbereitung
für das Abitur“ war den Müttern und Vätern der größtenteils
Acht- bis Zwölfjährigen noch nicht zu fern. Viele wollen
das Lernen ihrer Kinder positiv unterstützen, Neugierde wecken
– und nicht wenige kamen auch aus eigenem Interesse. Vielen waren
dabei lange Wege auch nicht zu weit. Der Großteil kam zwar
aus Münster und den Nachbarkreisen, es reisten aber auch Gruppen
aus Kassel oder Weimar an. Und zwei Realschulklassen aus Oelde unternahmen
einen Schulausflug in Sachen Mathematik nach Münster.
Nach dem ersten Semester, so scheint es, ist die Studierlust der
Kinder erst so richtig geweckt. Vorschläge über Themen
künftiger Vorlesungen gibt es reichlich. Einer davon lautet:
„Wie kann man machen, dass Lehrer nett sind“. Wissenschaft hat bekanntlich
schon so manche Herausforderungen angenommen...
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