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Pressestimmen über das ICBF
Westfälische
Nachrichten, 05. September 2003
Münsters Erstklässler werden immer
jünger
Zehn Prozent der i-Männchen sind noch gar nicht schulpflichtig
Von Karin Völker
Münster. Die Diskussion um die überproportional
lange Schulzeit in Deutschland zeigt Folgen in Münster. Unter
den i-Männchen, die in der übernächsten Woche an
den 46 Grundschulen der Stadt in die erste Klasse kommen, sind gut
zehn Prozent, die noch gar nicht schulpflichtig sind.
279 der 2630 Mädchen und Jungen, die jetzt ihre Schulkarriere
beginnen, sind nach dem 30. Juni 1997 geboren. Der Trend zeigt nach
oben. Im vergangenen Schuljahr lag der Anteil der auf Eltern-Antrag
eingeschulten Kinder noch bei 8,6 Prozent, 2001 bei 6,7 Prozent.
„Nicht wenige sind im Juli oder August sechs Jahre alt geworden“,
weiß die zuständige Schulrätin Gisela Breder aus
den Erfahrungen in der Vergangenheit. Doch die ABC-Schützen
werden immer jünger. Seit vergangenem Jahr können Kinder
auf Antrag eingeschult werden, die bis zum 30. Juni folgenden Jahres
ihren sechsten Geburtstag haben. In den ersten Klassen wird die
Altersspanne größer. Die Jüngsten sind unter Umständen
gerade fünf, die Ältesten, die einmal zurückgestellt
wurde, schon fast acht Jahre alt.
„Das Entwicklungsalter, nicht das Lebensalter“, ist für Dr.
Christian Fischer, Pädagoge vom internationalen Centrum für
Begabungsforschung an der Uni Münster, entscheidend für
die Schulreife. Den Schuleintritt zu flexibilisieren, hält
er für „sehr vernünftig“. „Für manches Kind kann
ein weiteres Jahr im Kindergarten sehr langweilig werden“, meint
Fischer. Auch Gisela Breder bewertet die neuen Möglichkeiten
im Prinzip positiv. Im Alter zwischen drei und sechs Jahren lernen
Kinder besonders leicht, empfiehlt Breder, diese Phase zu nutzen,
falls dem Kind bei der Untersuchung Schulreife attestiert wird.
So positiv Fischer die Flexibilisierung des Schuleintrittsalters
bewertet, so schädlich ist für den Erziehungswissenschaftler
„falscher Ehrgeiz von Eltern, die meinen, ihr Kind müsse unbedingt
schon mit fünf Jahren zur Schule.“
Parallel zum Trend zur früheren Einschulung bereiten sich die
Grundschulen auf die ab 2004 geltende flexible Eingangsstufe mit
jahrgangsübergreifendem Unterricht für die ersten und
zweiten Klassen vor. Breders Kollegin, Schulrätin Brunhilde
Jacob, sieht darin eine „gute Chance zur individuelleren Förderung
der Kinder“. Ob die ersten beiden Jahrgänge wirklich zusammen
unterrichtet werden, darüber kann aber jede Schulkonferenz
selbst entscheiden. Was Jacobi für nicht sehr sinnvoll hält:
„Ich hätte mir mehr Verbindlichkeit gewünscht.“
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