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Pressestimmen über das ICBF

Süddeutsche Zeitung Nr. 162, 17. Juli 2001

Ausbildung

Mit Langeweile fängt es an

An der Universität Münster erkunden Forscher die Denkprozesse besonders intelligenter Kinder

Der 13-jährige Udo aus Westfalen ist hochintelligent. Wenn er wollte, könnte er in allen Fächern auf Note eins stehen. Doch der Gymnasiast ist lustlos und unglücklich. Er fühlt sich im Unterricht oft nicht ernst genommen.

Die Wissenschaft kennt das Problem, hat aber noch zu wenig Waffen dagegen. Dies versucht das "Internationale Centrum für Begabungsforschung" (ICBF) in Münster zu ändern. Die Gemeinschaftseinrichtung der Universitäten Münster und Nimwegen (Niederlande) will fachübergreifend die Denk- und Lernprozesse hoch begabter Kinder ergründen, ihre Erkenntnisse an Pädagogen weitergeben und Förderprogramme entwickeln.

"2,5 Prozent aller Kinder haben einen Intelligenzquotienten von 130 und mehr, in Deutschland sind das rund 300000", sagt der Erziehungswissenschaftler Christian Fischer von der Uni Münster. "Weil sie aber zwischen Kindergarten und Abitur nicht besonders gefördert werden, geht es ihnen kaum besser als den etwa gleich vielen lernschwachen Jungen und Mädchen: Sie langweilen sich. Ihre Leistungsmotivation ist schwach. Sie neigen zu Clownerien, Aggressionen und anderen Verhaltensauffälligkeiten." Während die Förderung von Kindern mit Lernschwierigkeiten in den vergangenen Jahren fast selbstverständlich geworden ist, sei die Förderung besonders begabter Kinder ein immer noch vernachlässigtes Feld, bedauert Fischer. Daher müsse bei der Ausbildung von Lehrern und Erziehern "einiges geschehen". Im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich gebe es wenigstens schon Förderansätze, sagt der 35-jährige ICBF-Geschäftsführer. "Im sprachlichen Bereich besteht dagegen noch akuter Mangel."

"Hochbegabung wird irrtümlich häufig mit Hochleistung gleichgesetzt", sagt Christian Fischer und korrigiert damit ein altes Vorurteil. "Tatsächlich fällt nur ein Teil der besonders Begabten durch sehr gute Leistungen und Erfolge auf." Erste Folge der andauernden unerkannten Unterforderung sei Langeweile. "Auf die Dauer schalten die Kinder dann ab. Schnell entstehen Lernlücken. Probleme, die spätestens in der Mittelstufe einsetzen, sind programmiert."

Die Uni Münster bietet daher eine Zusatzausbildung zum Thema Hochbegabung für Lehrer aller Fächer und Schulstufen an. Seit vergangenen Oktober findet zudem die erste "Uni für Kinder" statt. Dort arbeiten mathematisch und naturwisserischaftlich besonders beschlagene Grundschüler in Kleingruppen an schwierigen Aufgaben, die Seminarleiterin Andrea Peter-Koop und ihre Studenten für die Kinder vorbereitet haben. Dabei lernen die angehenden Pädagogen schon im Studium den Umgang mit Hochbegabten.

ROLF LIFFERS/dpa
Kontakt: ICBF, Georgskommende 33, 48143 Münster, Tel. 0251-8324230,
Uni für Kinder, Institut für Didaktik der Mathematik, Einsteinstr. 62, 48149 Münster, Tel. 0251-8333716

 
 
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