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Pressestimmen über das ICBF
Spiegel
Online, 07. Juli 2004
Genies in der Grundschule
Wie sich Hochbegabung erkennen lässt
Mit 4 Jahren fragt das Kind nach dem Sinn des Lebens, mit 7 programmiert
es Datenbanken, mit 13 hat es schon zwei Klassen übersprungen:
Manche Knirpse sind ein bisschen zu schlau für diese Welt.
Und auch für ihre Eltern. Eine Hochbegabung früh zu entdecken
und zu fördern, ist aber für die kleinen Schnelldenker
enorm wichtig.
"Das Kind fällt durch extrem waches, aufmerksames Zugehen auf
die Welt auf", beschreibt Hermann-Josef Rothkötter von der
Deutschen Gesellschaft für das hoch begabte Kind (DGhK) in
Berlin die ersten Anzeichen, "außerdem spricht es sehr früh,
stellt viele Fragen und hat einen sehr guten Sprachstil." Viele
extrem begabte Kinder haben zudem ein sehr geringes Schlafbedürfnis,
"ein Umstand, der die Eltern fast zur Verzweiflung treibt." Manche
Kinder sind auch stark verhaltensauffällig: "Das kann darauf
hinweisen, dass das Kind nicht die Förderung bekommt, die es
braucht", so Christian Fischer vom Internationalen Centrum für
Begabungsforschung an der Uni Münster.
Sicherheit über eine Hochbegabung kann ein Test schaffen. "Mit
einem Intelligenzstrukturtest lassen sich die individuellen geistigen
Bedürfnisse der Kinder ermitteln", sagt Karsten Otto von der
Hochbegabtenförderung in Bochum. "Die normale Intelligenz liegt
im Bereich von 95 bis 100, ab 115 spricht man von überdurchschnittlicher
Intelligenz, und ab 130 liegt eine intellektuelle Hochbegabung vor".
Otto rät, sich an einen geschulten Psychologen zu wenden: "Gerade
wenn die Kinder jung sind, müssen viele Erfahrungen vorliegen,
um die Ergebnisse richtig zu interpretieren", rät Otto. Relevante
Ergebnisse liefern die Tests aber erst ab einem Alter von fünf
Jahren.
Hochbegabung kommt oft im Doppelpack
Auch die Geschwister sollten getestet werden: "Besondere Begabungen
entwickeln sich durch die Interaktion von Anlage und Umwelt", sagt
Fischer. Daher sei es nicht unwahrscheinlich, dass bei der Schwester
oder dem Bruder ebenfalls eine hohe Begabung vorliege. Das Testen
aller Kinder einer Familie kann auch verhaltensunauffälligere
Hochbegabte zu Tage fördern. "Vor allem Mädchen tendieren
dazu, ihre Begabung zu verstecken, weil es ihnen besonders wichtig
ist, in den Sozialverband integriert zu sein.
Manche Experten kritisieren, dass eine reine Diagnostik des Intelligenzquotienten
(IQ) nicht ausreiche, um das Begabungsprofil des Kindes vollständig
zu erfassen. Es müsse auch darauf geachtet werden, wie das
Kind im sozialen und emotionalen Bereich entwickelt sei, sagt Hochbegabungs-Experte
Fischer. Die Auffassung von Intelligenz könne daher variieren.
"Wenn man das aber am IQ festmacht und als Grenze einen IQ von 130
und darüber festsetzt, dürften etwa 300.000 Kinder in
ganz Deutschland hoch begabt sein." Der IQ sollte dennoch nicht
überbewertet werden: "Er sagt sicherlich einiges, aber nicht
alles über das Kind aus."
Wie sollen Eltern mit dem Testergebnis umgehen? "Hilfreich ist es,
wenn man eine Einordnung von dem Psychologen bekommt, was für
Konsequenzen gezogen werden sollen, eine Art Coaching", sagt Hermann-Josef
Rothkötter. Die Förderung Hochbegabter fällt Lehrern
auch angesichts hoher Schülerzahlen oft schwer, berichtet er:
"Da werden dann die Schlechten gut betreut, und die Guten lässt
man einfach laufen. Das ist aber nicht immer richtig."
"Latente Langeweile"
Der erste Schritt für die Eltern ist, mit dem Kind nicht altersentsprechend,
sondern dem Intellekt nach umzugehen. "Als Faustregel gilt: Ab einem
IQ von 130 sind Kinder eineinhalb bis zwei Jahre geistig weiter,
als sie biologisch sind", sagt Karsten Otto. Wer sein Verhalten
nicht anpasse, laufe Gefahr, die Kinder zu unterfordern: "Man muss
die Rahmenbedingungen verändern, damit das Kind besser aufpasst
und sich gefordert fühlt." Denn sonst fehle den Kindern "durch
die latente Langeweile dann die Motivation, sich mit schulischen
Inhalten zu identifizieren".
Das erklärt auch die schlechten Noten, die hoch begabte Schüler
oft nach Hause bringen. Integrative Förderung im Grundschulbereich
oder das Überspringen einer Klasse können dem Kind die
"geistige Nahrung" bieten, die es benötigt. "Sobald ich die
schulische Förderung verbessere, passt sich das Kind besser
an, ist zufriedener, und auch das Feedback seitens der Schule ist
positiver", so Otto.
Auch der Austausch mit ähnlich intelligenten Kindern bringt
oft Vorteile: "Diese Kinder sind oft weiter als andere, das ist
nicht die ideale Voraussetzung, um Freundschaften zu schließen",
meint Günter Habdank, Betreuer für den Bereich Hochbegabtenförderung
beim Studienkreis in Bochum. Treffen sie dann aber mit Gleichgesinnten
zusammen, fühlen sie sich oftmals sehr wohl.
Bei allem Einsatz für ein hoch begabtes Kind sollten Eltern
die Geschwister nicht vergessen, schon damit es nicht zu Eifersüchteleien
kommt. "Letztendlich sind alle Kinder Wunderkinder", sagt Begabungsforscher
Christian Fischer, "es gilt lediglich, die individuellen Fähigkeiten
zu entdecken und zu fördern."
Von Barbara Oberrauter, gms
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