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Pressestimmen über das ICBF

Münstersche Zeitung , 23. Januar 2008

"Keine Einserkandidaten - Hochbegabte sind nicht automatisch Musterschüler - wichtig ist die Förderung"

MÜNSTER . Ist von Hochbegabtenförderung die Rede, „dann denken ganz viele gleich, es geht um Elitenförderung“, sagt Christiane Weber-Steinhaus. Sie ist langjähriges Mitglied im Verein „Mehr Chancen für hochbegabte Kinder und Jugendliche in Münster“, und sie macht ständig wieder die Erfahrung: „Dieser Begriff ist immer noch negativ besetzt.“
Ein Klima, das es für die Kinder nicht einfacher mache - im Gegenteil. „Das vergrößert die Probleme nur noch.“ Verhaltensauffälligkeiten ver- schlimmerten sich, es könne zu einem völligen Rückzug kommen.
Wieder andere Kinder erkrankten an psychosomatischen Leiden, von Hautausschlägen über ständiges Erbrechen bis hin zu Selbstmordgedanken und stationären Behandlungen. ,,Genau dieses Leiden und Druckgefühl gilt es zu erkennen und vor allem auch zu begleiten.“ Nur, sagt Weber-Steinhaus, gebe es neben dem Elite-Vorwurf eine andere Problematik, die vermutlich noch weitreichender sei. ,, Oft heißt es, weil ja die Kinder so intelligent seien, bräuchte man auch nichts mehr zu tun.“ Eine völlig falsche Ansicht, betont Weber-Steinhaus. Denn Hochbegabte lernten anders, seien längst nicht Einser-kandidaten in allen Fächern, könnten ihre Begabungen nicht ausschöpfen. „Deshalb muss sich die Situation in Schulen ändern.“ So früh wie möglich Auch in Münster. Zwar seien einige Gymnasien mittlerweile auf dem Weg, Hochbegabung ernster zu nehmen, doch im Grundschulbereich sei die Lage „katastrophal“, sagt Weber-Steinhaus, selbst Mutter eines hochbegabten Jungen. Dabei sei die Förderung und Forderung gerade im jungen Alter wichtig. Das bestätigte auch Christiana Krüger sofort. Die Erzieherin leitet seit 20 Jahren die Kindergruppe „Kleine Menschen“, die auf hochbegabte Kinder ausgerichtet ist.
„Im elementaren Bereich anzufangen, und vor allem nicht nur den Kopf, sondern ganzheitlich zu fördern, darauf kommt es an“, sagt sie. Sie spricht von „jungen sensiblen Seelen“, die individuelle Förderung verlangen. Diese Maßgabe ist im Schulgesetz festgeschrieben. „Doch an der Umsetzung hapert es“, sagt Krüger und fordert mehr Raum und Möglichkeiten zur Weiterbildung.,, Erzieher und Lehrer sind oft einfach überfordert“, sagt sie.
Eine Beobachtung, die Dr. Christian Fischer (Foto), Geschäftsführer des Internationalen Centrums für Begabungsforschung, bestätigt sieht: Für den letzten Kongress „Individuelle Förderung: Begabungen entfalten - Persönlichkeit entwickeln“ seien innerhalb kurzer Zeit über 600 Anmeldungen eingegangen.,, Der Bedarf ist da“, sagt er und dieser werde mittlerweile auch zunehmend gesehen: „Viele Schulen sind zumindest auf dem richtigen Weg.“
Nachholbedarf Dass die individuelle Förderung trotzdem noch lange nicht ausreiche, wie der deutsche Philologenverband sagt, zeigen Zahlen: Die meisten Begabungsforscher gehen davon aus, dass jedes Jahr etwa 80000 Kinder in Deutschland zur Welt kommen, die über eine besondere Begabung verfügen.

Annette Kessen

Das Thema Hochbegabung ist neben anderen Lernschwierigkeiten ein Aspekt des Kongresses „Individuelle Förderung — Lernschwierigkeiten als schulische Herausforderung“ am 1. März (Samstag) im Schloss. » www.icbf.de

 





 
 
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