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Pressestimmen über das ICBF

Mindener Tagesblatt, 19. April 2002

„Sie werden schnell Außenseiter“

Regionalkonferenz zum Thema Hochbegabung / Fördergruppen in Kindergarten und Schulen

Von Gisela Schwarze

Vlotho/Porta Westfalica.
Modellcharakter für Deutschland und für Europa will die heimische Region vom Beginn des Schuljahres 2002/2003 entwickeln. Die „Stiftung Bildung zur Förderung Hochbegabter“ setzt sich für die Bildung von so genannten Fördereinheiten in Kindergarten und Schulen ein.
Diese private Stiftung zur Betreuung der intellektuellen Elite hat speziell für Hochbegabungen effektive Fördermittel die über die gegenwärtigen Bildungsmöglichkeiten an nordrhein-westfälischen Schulen hinausgehen. Die noch junge Stiftung, die im November des vorigen Jahres vom Vlothoer Unternehmer und Präsidenten des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegießer, ins Leben gerufen wurde, lud jetzt zur ersten „Hochbegabung“- Regionalkonferenz ein. Ingrid Pieper-von Heiden, die Vorstandsvorsitzende der Stiftung und Organisation der Veranstaltung, hatte sich mit ihrem Informationsangebot an Lehrerinnen und Lehrer von Grundschulen und weiterführenden Schulen sowie an Erzieherinnen und Erzieher in Kindergärten gewandt. „Die Zahl der Anmeldungen war so hoch, dass ich eine Reihe von Absagen erteilen musste“, bedauerte die Organisatorin im Tagungssaal.

60 000 hochbegabte Schüler in NRW

„Wenn wir die Kinder an unseren Schulen weiter so fördern wie bisher, bekommen Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung zwar die Guten, aber nicht die Besten“, konstatierte sie in ihren Begrüßungsworten, in denen sie die Aufgabe der Stiftung vorstellte. Zum neuen Schuljahr möchte sie eine komplette Fördereinheit aus einem kompetenten Kindergarten, einer Grundschule und einer weiterführenden Schule zur Verfügung haben, um dort in jeweils einer Gruppe hochbegabte Mädchen und Jungen aus dem gesamten Umkreis zu fördern. Die Bildungsinstitutionen dafür werden noch ausgesucht.
Der leitende Regierungsschuldirektor Dr. Dieter Ewald beschäftigte sich mit dem aktuellen Schulsystem und sagte, dass dies auf herausragend begabte Schüler bisher vorwiegend mit Schulzeitverkürzung (Überspringen von Klassen) reagiere. Der Regierungsschuldirektor stellt sich die Frage, wie denn hochbegabte Schüler, von denen es in Nordrhein-Westfalen etwa 60 000 geben soll, zu erkennen sind: „Längst nicht alle von ihnen sind pflegeleicht.“ Ingrid Pieper-von Heiden kann das erklären: „ Weil Gleichaltrige die Hochbegabten nicht verstehen, werden sie schnell zu Außenseitern. Es fehlen Mitschüler und Freunde, mit denen sie kommunizieren können. Dadurch nimmt nach und nach ihr Sozialverhalten Schaden und sie entwickeln häufig psychische Auffälligkeiten.“

Umstrittener Intelligenzquotient

Als messbare Größe hoher intellektueller Fähigkeiten wird von Eltern immer wieder der Intelligenzquotient von mehr als 130 ins Feld geführt. Prof. Dr. Franz Josef Mönks, Inhaber des einzigen Lehrstuhls für Begabtenforschung in Europa an der Universität Nimwegen in Holland und Vorstandsmitglied der Kannegießer-Stiftung, ist kein Anhänger der gängigen IQ-Einstufungen. Gelten ließ er sie lediglich als ein Mittel, mit dem Eltern auf hohe intellektuelle Fähigkeiten ihrer Kinder verweisen können.
Zwei weitere Veranstaltungsblöcke zu den Themen „Hochbegabung und Lernschwierigkeiten“ (Dr. Christian Fischer, Geschäftsführer Internationales Centrum für Begabungsforschung) sowie „Hochbegabung und Kreativität“ (Prof. Dr. Pienie Zwisterlood, Psychologisches Institut II der Wilhelms-Universität Münster) rundeten die sechsstündige Regionalkonferenz ab.

 
 
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