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Pressestimmen über das ICBF
Kind & Gesundheit
Februar 2003
Hoch begabte Kinder:
Auch Talente brauchen Förderung!
Frage: Wie funktioniert das Gehirn hoch begabter Kinder?
Fischer: Hoch begabte Kinder lernen sehr viel schneller und
vermutlich auch anders. Sie organisieren ihr Wissen intelligenter
und können Dinge tiefer, aber auch komplexer erfassen.
Frage: Betrifft die Hochbegabung in der Regel alle intellektuellen
Bereiche?
Fischer: Nicht unbedingt. Wir versuchen hier zu differenzieren,
indem wir ein Begabungsprofil entwerfen. Es gibt zum Beispiel Kinder,
die in Mathe sehr begabt sind, im sprachlichen Bereich aber Schwierigkeiten
haben, etwa Lese-Rechtschreibschwierigkeiten. Diese Kinder nehmen
einerseits an herausfordernden Angeboten teil, etwa an der Uni für
Kinder: Mathe-Treff in Münster. Andererseits sind sie in Lernstrategie-Kursen,
in denen die Rechtschreibung gefördert wird. Es kommt auch
vor, dass Kinder intellektuell sehr weit sind, sozial aber eher
Schwierigkeiten haben.
Frage: Bedeutet das, dass hoch begabte Kinder oft Außenseiter
sind?
Fischer: In der Tat sind hoch begabte Kinder nicht selten
isoliert. Weil sie andere Fähigkeiten haben, finden sie unter
ihren Klassenkameraden kaum Kinder mit ähnlichen Interessen.
Das führt oft zur Ausgrenzung.
Frage: Soll man dem Kind sagen, dass es hoch begabt ist?
Fischer: Damit sollte man sehr sensibel umgehen. Ich warne
dringend davor, dem Kind womöglich seinen IQ mitzuteilen, den
es dann auf dem Schulhof verkündet. Damit macht es sich nicht
selten selbst zum Außenseiter. Hier ist es wie im Sport: Wenn
ein Kind gut ist, werden die anderen das schon merken. Eltern könnten
ihm sagen, dass es in bestimmten Dingen sehr gut ist, andere Dinge
aber noch nicht so gut kann.
Frage: Welchen Weg nehmen Kinder, deren Hochbegabung nicht
erkannt wird?
Fischer: Kinder, deren Hochbegabung nicht erkannt wird, haben
häufig Probleme, weil sie nicht oder falsch gefördert
werden. Speziell Mädchen unterdrücken ihre Fähigkeiten
oft, damit die anderen Kinder sie nicht als "doof" oder "Streberin"
bezeichnen. Ich erinnere mich an ein Mädchen, das vor der Einschulung
lesen und schreiben konnte und nach der Einschulung nur noch stockend
las. Auf die Frage, warum es das tue, sagte es: Die anderen Kinder
in der Schule lesen genauso. Deshalb ist es so wichtig, ein begabungsfreundliches
Klima zu schaffen.
Frage: Im Sport werden besondere Talente doch auch gefördert.
Woran liegt es, dass die Gesellschaft so hilflos mit geistigen überfliegern
umgeht?
Fischer: Das stimmt, Im sportlichen Bereich ist man stolz
auf Talente. Es gibt spezielle Vereine und Hochleistungssport -
das ist gesellschaftlich akzeptiert. Im intellektuellen Bereich
ist die Situation anders: Nach der Diagnose "hoch begabt" herrscht
häufig Ratlosigkeit. Es gibt zwar spezielle Fördervereine,
aber in den Schulen fühlen sich viele Lehrer zu Recht überfordert,
weil sie keine Unterrichtskonzepte für diese Kinder haben.
Frage: Wie sollten Lehrer denn mit hoch begabten Kindern
umgehen?
Fischer: Letztlich geht es darum, den Unterricht mit speziellen
Aufgaben und Projekten differenziert zu gestalten. In Grundschulen
findet man einen solchen individualisierten Unterricht eher; in
weiterführenden Schulen geht man noch oftmals davon aus, leistungshomogene
Gruppen zu haben. Doch insbesondere durch die immer häufigere
Entscheidung von Familien, ihre Kinder ins Gymnasium zu schicken,
finden sich dort mittlerweile häufig die heterogensten Gruppen
der Sekundarstufe. Das führt oftmals dazu, dass Schwächere
mitgezogen werden, und leistungsfähige Schüler nicht entsprechend
herausgefordert werden.
Das Gespräch führte Dorothee Hahne
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